Schwierigkeiten beim Massenmailversand mit neuen Domains bei Mailgun
Warum neue Domains anfangs limitiert sind – und wie lange es dauert, bis alles rund läuft
Der Start mit Mailgun wirkt oft wie ein kleiner Stolperkurs:
Einzelne Mails gehen problemlos raus, vielleicht auch zehn oder fünfzehn. Doch sobald man versucht, 20 oder mehr Empfänger zu erreichen, bricht der Versand plötzlich ab. Dazu kommt, dass größere Mails (z. B. mit Bildern oder HTML‑Blöcken) noch häufiger scheitern. Das fühlt sich an wie ein technisches Problem – ist aber in Wahrheit ein Reputations- und Vertrauensproblem.
1. Warum neue Domains limitiert sind
Mailgun behandelt jede neue Domain wie einen völlig unbekannten Absender.
Für Mailprovider wie Gmail, Outlook, GMX oder Yahoo ist diese Domain ebenfalls ein unbeschriebenes Blatt. Und unbekannte Absender sind aus Sicht der großen Mailanbieter erst einmal verdächtig.
Darum greifen mehrere Mechanismen:
a) Mailgun schützt seine eigene IP-Reputation
Mailgun möchte verhindern, dass neue Accounts sofort massenhaft Mails verschicken und damit Spamfilter triggern.
Deshalb gibt es:
- Rate Limits (z. B. max. X Empfänger pro Minute)
- Volume Limits (z. B. max. X Empfänger pro Nachricht)
- Strengere Prüfungen bei größeren Nachrichten
Diese Limits sind nicht öffentlich dokumentiert, aber sie sind real – und jeder neue Account spürt sie.
b) Empfänger-Server misstrauen neuen Domains
Selbst wenn Mailgun die Mail annimmt, kann der Empfänger sie blocken.
Neue Domains haben:
- keine Versandhistorie
- keine Reputation
- keine positiven Signale (z. B. Engagement, niedrige Bounce‑Rate)
Darum reagieren viele Provider empfindlich, sobald:
- zu viele Empfänger gleichzeitig angeschrieben werden
- die Mail zu groß ist
- HTML‑Strukturen komplex sind
- Bilder eingebettet sind
- Tracking aktiviert ist
c) Die Größe der Mail ist ein Reputationsfaktor
Eine Mail mit 20 kB HTML ist unkritisch.
Eine Mail mit 300 kB HTML + Bildern + Tracking‑Pixeln wirkt dagegen wie ein Newsletter – und Newsletter von neuen Domains sind für Spamfilter ein rotes Tuch.
Je größer die Mail, desto höher das Risiko, dass Mailgun oder der Empfänger sie drosselt oder ablehnt.
2. Warum der Versand bei >20 Empfängern plötzlich scheitert
Das ist ein typisches Symptom der Warm‑Up‑Phase.
Mailgun erlaubt anfangs nur:
- kleine Empfängergruppen
- kleine Mailgrößen
- niedrige Frequenz
Sobald du versuchst, z. B. 30 oder 50 Empfänger zu erreichen, greift das interne Limit:
„Neue Domains dürfen nur begrenzte Bulk‑Mengen versenden, bis Reputation aufgebaut ist.“
Das ist kein Fehler – das ist Absicht.
3. Wie lange dauert die Warm‑Up‑Phase?
Das hängt vom Versandverhalten ab, aber typischerweise:
Nach 3–5 Tagen
- kleine Gruppen (20–50 Empfänger) funktionieren stabil
- Mailgröße darf moderat steigen
- erste Reputation ist aufgebaut
Nach 7–14 Tagen
- Bulk‑Versand mit 100–500 Empfängern ist meist problemlos
- HTML‑Newsletter funktionieren zuverlässig
- weniger Bounces, weniger Soft‑Fails
Nach 30 Tagen
- die Domain gilt als „etabliert“
- Mailgun hebt die meisten internen Limits
- Empfänger‑Server akzeptieren Mails deutlich entspannter
- Tracking, Bilder, größere HTML‑Blöcke sind kein Problem mehr
Wichtig:
Die Reputation baut sich nicht nach Zeit, sondern nach Verhalten auf:
- niedrige Bounce‑Rate
- keine Spam‑Beschwerden
- regelmäßiger, aber nicht übertriebener Versand
- authentifizierte Domain (SPF, DKIM, DMARC)
4. Was du konkret beobachten kannst
In den ersten Tagen:
- Mails an wenige Empfänger gehen durch
- ab ~20 Empfängern: Soft‑Fails, Timeouts, „queued“ ohne Zustellung
- größere Mails: abgelehnt oder stark verzögert
- manche Provider (Gmail!) sind besonders streng
Nach einigen Tagen:
- die gleichen Mails funktionieren plötzlich
- Limits verschwinden schrittweise
- Bulk‑Versand wird zuverlässig
Das fühlt sich an wie Magie – ist aber schlicht Reputation.
5. Ab wann kann Mailgun „ganz normal“ genutzt werden?
Realistisch: nach 7–14 Tagen, wenn du regelmäßig sendest.
Voll stabil: nach 30 Tagen, wenn die Domain eine solide Historie hat.
Danach kannst du:
- große Empfängerlisten versenden
- HTML‑Newsletter verschicken
- Bilder einbetten
- Tracking aktivieren
- Ghost‑Newsletter ohne Einschränkungen nutzen